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Wenn Schulmöbel bessere Noten machen.

Laut Spiegel Online konnten Schwedische Wissenschaftler kürzlich belegen, dass langes Sitzen die Gesundheit gefährdet- unabhängig davon, ob man in der Freizeit Sport treibt, wie Mediziner betonen.
Das eine abwechselnde Steh-Sitzposition körperliche Schäden vermeiden kann ist bewiesen. Eine Studie aus dem Jahr 1998 belegt auch, dass dadurch die Lernfähigkeit verbessert werden kann.

Steh-Sitz-Tische erlauben wechselnde Körperhaltungen. Dadurch bleibt die Konzentration der Schüler hoch. Das führt laut Uni Kassel zu nachweisbare besseren Leistungen. Die Studie empfiehlt sogar unsere Kinder im Unterricht garnicht sitzen zu lassen.

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Dynamisches Stehen im Unterricht.

In Industriegesellschaften und bei uns in ganz besonderem Ausmaß in den letzten 20 Jahren haben sich Haltungs- und Bewegungsgewohnheiten radikal verändert. In nie gekannter Weise ist es zu einer Desintegration, ja zu einer fast perfekten Verbannung der Physis aus dem Leben der Menschen gekommen, deren katastrophale Folgen an erster Stelle von Orthopäden angeprangert werden, wohl, weil diese über das zuverlässigste statistische Material verfügen: Nach Höfling und Reinhard vom Münchner Institut für angewandte Gesundheitsforschung hat im Zeitraum von 1984 -- 1994 die Behandlung von Rückenleiden um 3000 % (!) zugenommen (Aufsatz "Junger Rücken Krummer Rücken” i. d. Zeitschrift "Rückhalt" 1994). Über 50 % aller Frührenten werden aufgrund von Rückenleiden gewährt.

Für die Schule gibt es folgende Zahlen: Zu Beginn der Schulzeit gelten in Deutschland bereits 52 % der Kinder als haltungsschwach, aber keines als haltungsverfallen. Schon nach zwei Jahren Schulzeit gelten 49% als haltungsverfallen, und annähernd 55 % der Schüler verlassen die Schule mit z. T. gravierenden Haltungsschäden. Im Ansatz vergleichbar sind die Zahlen bei Herz-Kreislauferkrankungen und Erkrankungen innerer Organe, wenn man auch hier längere Zeiträume kalkuliert, bis die Schäden offenkundig werden.

Warum sich die Schule des Themas "Folgen des Bewegungsmangels" so gut wie nicht angenommen hat, ist um so unverständlicher, als eine große Fülle neuerer und neuester allgemein medizinischer, orthopädischer und hirnwissenschaltlicher Forschungsergebnisse die engen Zusammenhänge zwischen Bewegungsmangel und körperlichen Schäden einerseits und die Interdependenz von Bewegung und Denkvorgängen andererseits unwiderlegbar nachgewiesen hat. Für letztere zwei Belege: F. Vester der deutsche ”Altvater” der Lernbiologie ("Neuland des Denkens", 1997, S. 472): "Unsere Gehirntätigkeit, das Denken und Lernen, ist jedoch nicht etwas rein geistiges, sondern immer eng mit zellulären, hormonellen, biochemischen und biophysikalischen, also mit materiellen Vorgängen verknüpft. Es ist daher ein Unding zu glauben, dass sich die Erkenntnis unserer Welt… lediglich mit den paar Neuronen unseres kognitiven Gehirnbereichs bewerkstelligen ließe".

Die vielfach von Pädagogen beklagten Konzentrationsschwächen und Probleme bei der lnformationsaufnahme und -verarbeitung sind genau betrachtet zu einem großen Anteil Folgen des exzessiven Sitzens und des allgemeinen Bewegungsmangels. Entsprechend negativ fallen neuere Urteile über den Stuhl bzw. das Sitzen aus.

Es waren Geistesarbeiter wie z. B. Goethe bis ins vergangene Jahrhundert gewohnt, ihre Tätigkeit überwiegend am Stehpult zu verrichten. Und auch der enge Zusammenhang zwischen Bewegung und organischer und geistiger Gesundheit ist keine moderne Erkenntnis. Bereits die großen Ärzte des 16. Jahrhunderts, Paracelsus und Nostradamus, hatten hierfür eine griffige Formel entwickelt: Außerhalb des Schlafs solle man mindestens zwei Drittel des Tages im Stehen oder in aufrechter Haltung verbringen und nur maximal ein Drittel des Tages sitzen.

Die aus alten Erfahrungen und neuester Forschung geborene Idee, Schüler z. T. im Stehen zu unterrichten, ist also keinesfalls so exotisch und skurril, wie es auf den ersten Blick aussieht. Der physiologische und orthopädische Nutzen beim Projekt "Dynamisches Stehen" war von vornherein absehbar: Anstieg der Pulsfrequenz, Anstieg der Sauerstoffaufnahme und die damit verbundene Aktivierung der inneren Organe und des Gehirns, wesentlich verringerte Belastung der Wirbelsäule und speziell des Belastungsdrucks auf die Lendenbandscheiben (bei normalem Sitzen etwa 80 % größer als beim Stehen) über all dies liegen gesicherte Erkenntnisse vor.

Völlig unklar war zunächst der lernbiologische Nutzen und vor allem die Frage, ob es beim dynamischen Stehen zu einer Verbesserung der Aufmerksamkeit und der Konzentration kommt und wie gegebenenfalls diese Verbesserung nachweisbar sein würde, wenn man einmal von empirischen Eindrücken absieht. Erste Selbstversuche hatten gerade zu Zeiten, in denen die Aufmerksamkeit nachläßt (z. B. nach dem Mittagessen oder in den Abendstunden) die nachhaltige Erkenntnis: Es findet ein sprunghafter Anstieg der Aufmerksamkeit statt, Schläfrigkeitssymptome sind sofort verschwunden.

 

 

Die Nackenmuskulatur beim Stehen und Sitzen im Elektromyogramm.

Einleitung
An der Steuerung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein ist nicht nur ein Gehirnabschnitt, sondern es sind weitverzweigte Hirnsysteme beteiligt. Die Regulation der Aufmerksamkeit von unaufmerksamer Wachheit (Zerstreutheit) bis hin zu kontrollierter Aufmerksamkeit erfolgt durch den Neokortex.

Messungen der Hirnströme mit Hilfe der Elektroenzephalographie (EEG) zeigen. dass bei einem wenig konzentrierten Zustand der Alpha-Wellen-Anteil groß ist und bei aufmerksamem Verhalten deutlich abnimmt.

Material und Methode
Versuchssituation
: Nach dem Anbringen der Ableitelektroden können sich die Probanden in einem abgedunkelten Raum 15 min lang in frei wählbaren Positionen hinsetzen, anschließend stehen sie bis zu 30 min frei oder angelehnt an einem Pult. Zum Schluss erfolgt ein 15 min dauernder Kontrollversuch im Sitzen.

Ableittechnik: Die Elektroden werden nach dem 10-20- Standard-Ableitungssystem platziert und die Hirnströme ca. 10.000fach verstärkt.

Registrierung und Frequenzanalyse der Daten erfolgt mit einem digital arbeitenden EEG-Gerät der Fa. Oxford instruments Ltd. Es werden von 9 Probanden jeweils während des Sitzens, des Stehens und der anschließenden Kontrolle im Sitzen 3 Epochen von jeweils 30s ausgewertet. Die Daten der einzelnen Epochen werden für jeden Ableitpunkt zu einem Mittelwert zusammengefasst. Die Ergebnisse eines Frequenzanteils (Alpha-Wellen 8-13 Hz, Beta1- und Beta2-Wellen 13-32 Hz) können in sog. Brain-Maps dargestellt werden (Abb.4).

Diskussion
Die vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass bei einem Wechsel der Arbeitshaltung vom Sitzen zum Stehen eine unmittelbare, deutliche Reduktion der Alpha-Wellen in den Gebieten des tempo-parletalen und frontalen Kortex stattfindet, die in das System der Aufmerksamkeitssteuerung involviert sind. Gleichzeitig kann es zu einem Anstieg der Beta-Wellen kommen, der ein Indiz für geistige Leistungsbereitschaft ist. Die Veränderung der Frequenzanteile kann, wie in Abb. 2 und 3 dargestellt, individuell schwanken.

Die Befunde zeigen, dass durch den Wechsel zwischen sitzender und stehender Arbeitsweise die geistige Leistungsfähigkeit insgesamt gesteigert wird. Elektromyographische Untersuchungen der Nackenmuskulatur sowohl in Ruhe als auch während des Schreibens in normaler Sitzhaltung und beim Stehen an einem Pult lassen auch im Hinblick auf neuromuskuläre Ereignisse eine Befürwortung des Arbeitens im Stehen über einen konditionsabhängigen Zeitraum zu.

Ergebnis:
Nach drei Versuchen mit unterschiedlichen Personen zeigt sich die Tendenz, dass während der Stehperiode die Nackenmuskulatur beim Schreiben entspannter ist. Auf den abgebildeten Darstellungen der Muskelpotentiale erkennt man bei allen drei Versuchspersonen einen stärkeren Potentialanteil beim Schreiben im Sitzen. Ein Wechsel zwischen Stehperioden und Sitzperioden ist daher sinnvoll, denn die Konzentration und Leistung wird gesteigert, außerdem ist die Muskulatur entspannter und daher auch die betroffene Person.

 

 

Messung Elektromyogramm 1997 low 01

Dr. Evelyn Schürg-Pfeiffer und die Teilnehmer des Zoophysiologischen Projektpraktikums.
Abteilung Neurobiologie (Leiter Prof. Dr. J.-P. Ewert) Universität Kassel/Ghk, FB 19

Weitere Informationen dazu:

Pressebericht: "Lernen wie einst Goethe" (PDF)
Pressebericht: "Büffeln am ,Modell Kassel'" (PDF)